Rheuma und Krebs

Medizin 3

Direktor:
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett

Paraneoplasien und rheumatische Erkrankungen

Unter Paraneoplasien werden Begleitsymptome beziehungsweise klinische Anzeichen verstanden, die nicht direkt durch einen Tumor oder seine Metastasen hervorgerufen werden. Sie werden durch sogenannte lösliche Faktoren wie Hormone und Zytokine des Tumors hervorgerufen, die von den Tumorzellen produziert werden oder eine Folge einer Immunreaktion gegen diese Zellen sind. 

Paraneoplasien können in jedem Organ auftreten, wobei sie sich am häufigsten an den Knochen, Gelenken, Gefäßen oder Muskeln manifestieren. Somit steht eine Reihe von muskuloskelettalen Symptomen in einem engen Zusammenhang mit bösartigen Krebserkrankungen. Wenn die therapeutische Bekämpfung von muskuloskelettalen Symptomen nicht erfolgreich ist, müssen bösartige zugrundeliegende Formen abgeklärt werden. Um jedoch tatsächlich eine Paraneoplasie in Betracht ziehen zu können, muss ein kausaler Zusammenhang zwischen den aufgetretenen Symptomen aufgestellt werden.

Im Folgenden finden sie ein Beispiel für eine typische Paraneoplasie mit rheumatischen Beschwerden.

Hypertrophe Osteoarthropathie (HOA)

Trommelschlegelfingern bei hypertropher Osteoarthropathie

Die HOA, auch als Marie-Bamberger-Syndrom bekannt, ist eine seltene Erkrankung, die als Folge einer chronischen Lungenerkrankung entsteht. Kennzeichnend für die Erkrankung ist eine Kombination aus einer wuchernden Knochenhautentzündung, Trommelschlegelfingern und Uhrglasnägeln sowie einer Oligo- oder Polysynovitis (Entzündung der Gelenkinnenhaut an wenigen oder vielen Gelenken). Die Knochenhaut verdickt sich innerhalb kürzester Zeit vor allem an langen Röhrenknochen selten auch an den Phalagen (Fingergliedern) und es kommt Arthralgien (Gelenkschmerzen) bis hin zu einer symetrisch verteilten Arthritis, schmerzhaften Schwellungen und Gelenkergüssen. Charakteristisch sind auch die Lokalisationen der lamellären Knochenneuformation im Röntgenbild. Die HOA ist meist paraneoplastisch, kann aber in seltenen Fällen familiär vererbt auftreten und auch bei anderen chronischen Erkrankungen wie bakterielle Endokarditis, Leberzirrhose, entzündlicher Darmerkrankung und Morbus Basedow vorkommen. Somit muss bei jedem Patienten mit entsprechender Symptomatik eine gründliche Tumorsuche durchgeführt werden. In erster Linie liegen pulmonale oder intrathorakale (innerhalb des Thorax legend) Malignome vor.

 
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